Youngtimer & Restaurations Blog

  • Schrauben & verzinken

     

      

    Heute geht es hier um Schrauben - unscheinbare Bauteile, die überall im Moped vorhanden sind, fast nie beachtet werden und eine sehr große Rolle in Punkto Sicherheit und auch der Optik spielen.      

    Es gibt weniger wichtige und sehr wichtige Schrauben. Unwichtig ist keine Einzige - also ein Grund sich damit auseinander zusetzen. 

    In Fahrzeugen sind Schrauben unterschiedlicher Festigkeit verbaut da eine Bremssattelschraube mehr aushalten muss wie eine, die z.B. den Tacho hält. Sie haben eine ganz bestimmte Güte und daher verwende ich NUR originale Schrauben der jeweiligen Fahrzeuge. Bitte niemals angegammelte Schrauben mit welchen aus dem Baumarkt ersetzen nur weil die genau so aussehen und die gleiche Größe haben. An bestimmten Bauteilen Lebensgefährlich.  

    Ebenso schlecht ist die weit verbreitete Unsitte, die original Schrauben gegen Edelstahlschrauben zu ersetzen. V2A Schrauben sind deutlich spröder wie Stahlschrauben und gibt es für den Verbraucher nicht auf Anhieb erkennbaren Güte- und Festigkeitsklassen. Zudem sehen sie anders aus als die typischen Bundkopf Japan Schrauben und haben hässliche Kopfprägungen. Insbesondere zum verschrauben in Aluminium Bauteilen sind Edelstahlschrauben mit großer Vorsicht zu geniessen, weil sie mit der Zeit gerne "fressen" da das edlere Material das unedlere "frisst" und Sie diese nach längerer Zeit u.U. gar nicht oder nur sehr schwer lösen können. Sinn machen V2A Schrauben eigentlich nur als Ersatz für die früher oft bei Japanern verwendeten sehr weichen Kreutzschlitzschrauben in Motordeckeln. V2A lässt sich prima auf Hochglanz polieren und damit polierten Motordeckeln anpassen, die Ausführung als Inbusschraube lässt sich viel einfacher und sicherer lösen und befestigen wie eine Kreuzschlitzschraube. Da die Motorblöcke zumeist aus Aluguß bestehen, sollten V2A Schrauben NUR mit entsprechender Schraubenpaste eingesetzt werden. z.b. mit Keramikpaste, sie fettet nicht und ein paar Gewindegänge damit dünn eingestrichen verhinden das festfressen im Material.

    An diesen V2A Schrauben sieht man die Rostspuren des Gegen Bauteiles:

    Bestimmte Schrauben wie z.B. Bremssattelschrauben sollten entsorgt und gegen neue original Schrauben ersetzt werden. Auch Federringe sollten gegen neue ersetzt werden, da Ihre Spannung durch die Demontage verändert wird. Um ein gleichmäßiges Finish zu erreichen, kann man die neue Schrauben gleichzeitig mit den anderen alten Schrauben neu verzinken lassen. Dann ist die Optik aus einem Guß.

    Schrauben an einem über 20 Jahre gebrauchten Moped sehen zumeist sehr vergammelt aus und vertragen sich nicht mit einer Restauration, in der alles überholt und wieder chick gemacht worden ist. Der Erfolg steckt im Detail und auch ein noch so aufwändig überarbeitetes Motorrad wird mit vergammelten Schrauben nie gut aussehen.

    Erfreulicherweise lassen sich die meisten Schrauben aber wieder in einen Neuzustand bringen - durch das verzinken. Das galvanische verzinken ist recht preiswert, bedarf aber einiges an Arbeit in der Vorbereitung. Theoretisch kann man alte Schrauben, Achsen etc. so wie sind in die Galvanik bringen. Desto besser diese aber vorbereitet werden, desto besser wird das Ergebnis. Eine glatte, saubere Schraube wird fast glänzend wie verchromt - eine gammelige unbehandelte dagegen wird dagegen deutlich matter und je nach Zustand auch pickeliger von den Oberflächen.

    Ich bürste jede Schraube, Achse oder sonstige gebrauchte neu zu verzinkende Teil mit einem Polierbock mit Drahtbürstenaufsatz ab. Dadurch entferne ich Rost (dieser geht auch in den Galvanikbädern ab), Unebenheiten und vor allem Farbe, Schraubensicherungsreste (Farbe und Reste von Loctite etc. werden in den Galvanikbädern NICHT gelöst) etc.. Alternativ kann man auch eine Bohrmaschine mit Drahtbürstenaufsatz benutzen. Dieser Job ist langwierig, dreckig und mitunter auch gefährlich wenn sich mal eine Schraube in der rotierenden Bürste verkantet und dann mit Karacho durch die Werkstatt oder noch schlimmer ins Gesicht fliegt... Daher nur mit Schutzbrille arbeiten, Autos und Motorräder VOR der Bearbeitung aus dem Gefahrenbereich bringen!!!

    Hier jetzt paar Beispiele von typischen Bauteilen vor- und nach der Bearbeitung:

     

    Davor:

    Danach:

    Oberflächen sind jetzt sauber, weitgehend glatt und die Gewindegänge frei. Man könnte jetzt noch hingehen und die Eindrücke der Achsmutter im Kettenspanner ausschleifen...

    Hier ein paar weitere Teile nach der Bearbeitung, bereit für die Neuverzinkung:

     

    Und hier jetzt der Grund für diesen recht unangenehmen Job. Der untere Bolzen oben ist wie die Schraube ganz rechts nicht bearbeitet und so wie sie waren zum verzinken gegeben worden. Der Unterschied in Glanz und Glattheit ist deutlich zu sehen. Die bearbeiteten Teile glänzen deutlich mehr, die Gewinde sind frei und sind wirklich glatt - die Voraussetzung für Glanz:

    Hier noch ein paar Beispiele:

       

     

    Man kann sich die Bauteile in verschiedenen Farben verzinken lassen:

    1. Blau - ergibt eine sehr leicht bläulich und stark silbrige Oberfläche. 

    2. Gelb - ergibt eine messingfarbene Oberfläche. Wegen der nicht neutralen goldenen Optik im Fahrzeugbau meist an verdeckten Stellen und Fahrwerksteilen angewandt.

    3. Oliv - Eine Art schmutziges, schwaches schwarz mit leichtem Grünstich. Auch sehr gut von der Korrisionsbeständigkeit aber wenig schöne Oberfläche da die Färbung nicht so gleichmässig auftritt wie bei blau oder gelb verzinktem Material. Bei älteren japanischen Motorrädern zumeist verwendet.

    4. Schwarz - wenn gut gemacht tiefschwarzes, schönes Finish. In der Praxis aber leider seltenst erreicht. Sehr empfindlich gegen mechanische Belastung.

    Nach (schlechten) Erfahrungen mit schwarz verzinken (siehe Fotos) lasse ich nur noch blau verzinken da dort das Oberflächen Finish nahezu perfekt gleichmäßig ist. Mann kann bei schwarz verzinken fast nur dann gute Ergebnisse erreichen, wenn man die Teile als "Hängeware" in Auftrag gibt. Hängeware deshalb weil jedes einzelne Bauteil an einem Gestell verdrahtet wird, daß dann durch die Bäder fährt. Sehr hoher manueller Aufwand = unbezahlbar. Zudem ist neben der Abplatz-/Kantenproblematik ein weiteres Problem vorhanden: die Teile werden seltenst tiefschwarz.

    Beim herkömmlichen und preisgünstigen "Trommelverzinken" kommen alle Bauteile geschüttet in eine Art Waschmaschinentrommel, in der sie durch die einzelnen Bäder gefahren werden. Die Trommel rotiert und dementsprechend tritt Reibung bei den Bauteilen auf. Bei blauverzinktem Material kaum Beschädigungen erkennbar - bei schwarzem viele Kantenschäden der farblichen Schicht. 

    Hier ein Foto von schwarz verzinkten Teilen, sehr schwache Färbung an den Kanten, ansonsten nicht gleichmäßig, viele Kratzer und kein tiefes schwarz. Diese Teile wurden Trommel verzinkt:

    Teile, die aufgehängt verzinkt wurden. Sehr gute Oberflächen, sattes schwarz. Wegen Kosten nur für wenige grössere Teile geeignet:

    Vergleich blau zu schwarzverzinkt an GPZ900R Bremssattelhaltern. Die Kantenbeschädigungen an den schwarzen Haltern sind deutlich zu sehen:

     

    Ergebnisse in Verbindung mit überarbeiteten und pulverbeschichteten Bremssätteln einer alten Kawasaki:

      

    Hier auch im Detail schöne Vorderbauten - schönen Schrauben sei Dank:

     

     

    Vor dem Glanz ist also erstmal gehörig Arbeit angesagt. Um mir diese Plackerei zu ersparen, habe ich mal mit Salzsäure herum experimentiert - bitte NICHT nachmachen! Salzsäure ist ein Teufelszeug und sollte niemals ohne vollständige Schutzkleidung benutzt werden!

    Nun, ich hab einfach mal paar gammelige Altschrauben in einen kleinen Kanister gegeben, dann da 33%ige Salzsäure eingegossen und den Kanister 30 Minuten stehen lassen. Das Ergebnis war der Hammer. Alle Schrauben blank und sauber. Sehr schön. Das blöde war aber dann, das diese Schrauben nach weiteren 30 Minuten an der Luft so eine Art grünspan ansetzten und nach weiteren 30 Minuten rostiger waren wie zuvor. Ein weiteres Experiment mit anschliessender Spülung/Neutralisation der Salzsäure war nicht wirklich besser. Also Schrauben mit der Drahtbürste schrubben und zum galvanischen Fachbetrieb geben. Dann wird das auch etwas.

         

     

     

     

     

     

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  • Comments on this post (3 comments)

    • Christoph Held says...

      Hallo Herr Topolovsek,

      danke für die Info und den Link.

      Beste Grüße

      Christoph Held

      On December 29, 2014

    • Igor says...

      Hallo Herr Held,

      ganz banale Stahldraht Bürstenaufsätze machen einen guten Job wie z.B.

      http://www.arturus24.de/products/Werkzeugzubehoer/Drahtbuerstenaufsaetze/Fuer-Bohrmaschinen/Drahtbuerstenscheibe—100-mm-KRT150109.html

      Von den spiralförmig gewickelten ist Abnstand zu nehmen. Zu hart und viel zu groß für diese kleinen Bauteile.

      Alterniv können Sie auch Nylonbürstenaufsätze nehmen – diese sind 2 – 3 teurer und erfordern u.U. längere Bearbeitungszeiten da weicher.

      Viele Grüße

      Igor Topolovsek

      On December 11, 2014

    • Christoph Held says...

      Hallo,
      ich habe mit Interesse Ihren Beitrag gelesen. Besonders die hervorragenden Ergebnisse durch eine entsprechende Vorbehandlung können sich wirklich sehen lassen.

      Welcher Art ist denn der benannte Drahtbürstenaufsatz (grob oder fein)? Nicht, dass am Ende noch mehr Schaden entsteht wir gut gemacht wird …

      Beste Grüße

      Christoph Held

      On December 11, 2014

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