Youngtimer & Restaurations Blog

  • Gedanken zur Youngtimerei

    Hallo,

    hier werde ich in loser Reihenfolge theoretisches und praktisches zu der Leidenschaft und der Wiederherstellung von alten Boliden zum Besten geben. Natürlich absolut subjektiv und aus der Sicht eines verrückten Gaskranken. Bitte öfters reinschauen.

    Mein erstes Thema behandelt das Warum und Wieso:

    Ist es bekloppt sich ein altes Motorrad zuzulegen? Antwort: 200% Ja. Sie fahren schlechter, zicken mehr, bremsen schlechter, haben selten über 100PS und Teile gibt es auch nicht mehr alle dafür. Mit einem aktuellen Motorrad bohre ich mir bei 250 K/mh noch in der Nase, während der Rücken beim Klassiker schon bei 120 K/mh feucht werden kann.

    Also alles Alte auf den Schrott? Nein! Das schöne am Leben sind die ja die verrückten Sachen und jetzt halten wir mal gegen den modernen Krempel:

    Eine alte Dame katapultiert einen nach dem Druck auf den Starter direkt meilenweit aus dem Alltagstrott weil sie noch richtig brabbelt, riecht und eine Seele hat. Nach 15 KM Aufwärmfahrt Zug am Kabel und dann ist eh alles zu spät. Eine subjektiv empfundene enorme Beschleunigung, das sehr präsente heisere Röcheln des Motors und das Eigenleben des Mopeds selbst - alle Sinne extrem beschäftigt ohne draussen jemand mit extremen Geschwindigkeiten oder prolligem Krach aus ausgeräumten Auspuffanlagen zu nerven. Man fährt noch und wird nicht gefahren. Kein ABS oder sonstige Assistenzsysteme, die einen von der ursprünglichen Fahrer/Maschine Einheit entkoppeln. Fahren und Genuß pur.

    Das Fahren mit Youngtimern IST sicherer! Und das ist absolut kein Widerspruch. Durch Ihre Art und damalige Auslegung fühlt man sich bei einem Klassiker zumeist schon bei 120 K/mh sehr schnell, fährt deutlich konzentrierter da man auf einem alten Motorrad nicht so entkoppelt ist wie auf einer modernen Maschine und das fahren mit allen Sinnen direkt und ohne Verwässerung erlebt. Sie müssen nicht mit über 200 durch die Gegend rasen um überhaupt noch sowas wie (Fahr-) Freude zu erleben. Die fängt beim Klassiker schon beim angucken in der Garage an und explodiert beim starten. Zudem hat man viel Aufwand in den Klassiker gesteckt damit er wieder so gut dasteht und hat dadurch eine ganz andere Beziehung zu dem Fahrzeug. So ein Motorrad fährt man bewusst und verheizt es nicht wie ein Depp. Das heisst nicht, das man Youngtimern nicht die Sporen geben kann. Vernünftiger Zustand, gute Reifen und regelmäßige Wartung vorausgesetzt ist auch das abrufen der vollen Leistung unproblematisch. Kein Fahrzeug wurde zum stehen oder dauerndem untertourigen dahin schleichen gebaut - auch Ihr Klassiker nicht.

    Ein weiterer Vorteil bei der Youngtimerei ist das dauernde Kennenlernen von netten und zumeist sehr interessanten Menschen jeglicher Coleur die einen beim Parken ansprechen und sich mit Ihnen über Ihren Klassiker freuen. Zudem sind auch die Spezialisten in Werkstätten und Betrieben, mit denen man mit der Youngtimerei zu tun hat fast alle große Individualisten. Sie lernen mehr Leute kennen wie in jeder Disco oder Veranstaltung. Es gibt überall Treffen und Stammtische auf denen man sich mit anderen Verrückten aus der Youngtimerszene austauschen kann und die Hilfsbereitschaft bei technischen Problemen ist enorm.

    Die Youngtimer Saison ist länger da dieses Hobby nicht nur aus fahren besteht sondern auch aus Wiederherstellung, Verbesserung und Pflege. Sie haben 12 Monate im Jahr was von Ihrem Hobby und Ihrem Klassiker.

    Youngtimer wie die 900R oder die alten KZ Modelle sind auch heute noch erstaunlich robust und zuverlässig, erfordern aber im Vergleich zu neuen Maschinen etwas mehr Aufmerksamkeit und Pflege. Sie schwitzen schon mal gerne hier und da, Schrauben sollten öfters nachgezogen werden und diverse Baugruppen ausgetauscht bzw. überholt werden da die Jahrzehnte an keinem Gegenstand spurlos vorüber ziehen. Deswegen ist ein altes Bike der Himmel für Hobby Schrauber und eher weniger geeignet für Menschen, die für jede Kleinigkeit in die Werkstatt (und zahlen) müssen weil sie entweder keine Lust zum Schrauben haben oder schlichtweg nicht schrauben können. Für diejenigen, die gerne selber Hand anlegen, bereitet ein Klassiker mehr Freude da sie i.d.R. sehr einfach aufgebaut sind, das meiste daran noch selbst gemacht werden kann und man somit nicht von Werkstätten und Händlern abhängig ist. Für einen Klassik Fan macht die Erhaltung und Wartung mindestens genauso viel Freude wie das Fahren selbst. Es ist aber bei weitem nicht so, daß man dauernd an einem Youngtimer rumschrauben muss, um fahren zu können. Wartungsintervalle liegen zwischen 5.000 - 10.000 Km - somit sind auch weite Urlaubsfahrten problemlos machbar.

    Zudem besitzt man ein Original, das nicht an jeder Ecke herumsteht oder auf Motorrad Treffs zu sehen ist. Und das zu Kosten für die man heutzutage noch nichtmal eine gescheite 500er bekommt.

     

     

     

     

     

     

     

     

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